Interview mit dem Amok Fanzine aus Rheine
- Interview aus dem Heft "Doitsche Musik" Nr.10 / 1997 -

D. M.: Stell Dich doch bitte zu Beginn des Interview erst einmal vor!

Also, mein Name ist Mike Beyer, ich bin 25 Jahre alt und Herausgeber des Fanzines ?AMOK!!!?.

D. M.: Wie entstand die Idee zu einem Fanzine und was möchtest Du damit erreichen?

AMOK: Die Idee kam mir so um 1995, als in Rheine (Nachbarstadt vob meinem Heimatort Neuenkirchen) einige gute Aktionen durchgeführt wurden. Wir organisierten einige Balladenabende und ein großes Konzert. Nebenbei machten wir den Linken auch noch auf Parteipolitischer Ebende zu schaffen so daß es genügend Material für ein Fanzine gab. Mit der ersten Ausgabe wollte ich erreichen, daß wir uns auch darstellen konnten, denn was die Besatzerlizenspresse über unsere Aktionen schierte, war schon heftig. Somit galt die Nr. 1 als Gegenpol zu deren geistigen Sondermüll. Da das Heft anscheinend sehr gut aufgenommen wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann die nächste Nr. erscheinen würde. Erreichen möchte ich mit meinem Fanzine, daß die Leute Spaß am Lesen haben, infomiert werden und das halt die Szene etwas unterstützt wird. Politische Ziele verfolgt das ?AMOK!!!? nicht, auch wenn der VS das nicht glaubt. Es geht hauptsächlich um Musik.

D. M.:Wie ist der Name ?AMOK!!!? zu erklären ? Provokation oder Spaß?

AMOK: Wenn man nur auf den Tittel achtet, könnte man schon meinen, daß es eine Art Provokation ist. Aber bei dem Inhalt der Hefte ist doch recht bald klar, das dieser Titel eine Verarsche ist. Leider sahen die Herren von der Staatsanwaltschaft in dem Untertitel ?Texte für terminaleTäter? eine Art ?bezugreichen Untertitel, der von seinen Lesern eine fatale Entschlossenheit zur Gewalt voraussetzt.? Dazu kamen ja dann noch die Adressen der linken Pisser und so glaubten die Leute wohl, ich würde einen Blitzkrieg gegen das System vorbereiten. Den Titel ?AMOK!!!? habe ich übrigens aus einem MAD-Heft, das Cover der Nr. 1 war genau das gleiche wie in dem MAD. Außerdem stehe ich auf Namen, wenn diese nur einsilbig sind. Bleibt irgendwie besser hängen.

D. M.: Mit welcher Auflage hast Du angefangen und bei welcher bist Du heute?

AMOK: Angefangen habe ich mit einer Auflage von 500 Heften und daran hat sich bis zur aktuellen Nr .4 nichts geändert. Das Heft ist immer recht schnell ausverkauft, so daß ich über Auflegenerhöhung nachgedacht habe, aber leider reicht das Geld nie für mehr als 500 Hefte.

D. M.: Mit welcher Band hast Du Dein erstes Interview für das ?AMOK!!!? Zine geführt?

AMOK: Schwere Frage, da ich bis zu 5 Interviews gleichzeitig losschickte. Aber ich glaube, Noie Werte, 08/15 und Rheinwacht haben als erstes geantwortet.

D. M.: Deine bisherigen Ausgaben waren ja immer sehr umfangreich. Etliche Interviews, Konzertberichte, Plattenreviews e.c.t...! Wie lange arbeitest Du eigentlich an einer Ausgabe?

AMOK: Bei der Nr. 1 ging alles recht schnell, ungefähr 3 Monate oder kürzer. Dann habe ich mir für die Nr. 2 fast ein ganzes Jahr Zeit gelassen. Die Nr. 3 erschien dann wieder recht schnell, so ca. 2 Monate nach der Nr. 2. Jetzt ist die Nr. 4 auch schon wieder fertig, ging auch recht schnell. Es kommt halt immer darauf an, wie schnell sich die Bands bequemen ein Interview zu beantworten und ob viele Konzerte stattgefunden haben, über die man schreiben kann. Da man aber letztendlich diese Arbeit in seiner Freizeit erledigt, ist auch das immer wieder unterschiedlich, ob man mehr oder weniger Lust hat, nach der Arbeit diesen ganzen Schreibkram zu erledigen.

D. M.: Nun habe ich die Erfahrung gemacht, das manche Bands einem Interview mit dem ?Doitsche Musik? Zine aus dem Weg gehen, da ich gelegentlich unangenehme/kritische Fragen stelle. Hast Du auch diese Erfahrungen gemacht, oder erhälst Du prinzipiell von jeder gewünschten Band ein Interview?

AMOK: Bis jetzt haben alle Bands, die ich wegen einem Interview angeschrieben habe, mehr oder weniger schnell geantwortet. Also geweigert hat sich da noch keine Band. Im Gegenteil, einige Leute rufen mich jetzt an und würden gerne ein Interview im ?AMOK!!!? geben (kein Witz). Aber bestimmt gibt es Gruppen, die mir ein Interview verweigern würden, z.B. Springtoifel. Denn als ein Kollege (vom ?Nordkraft? Zine) denen ein Interview schickte, wollten die erst die 1. Ausgabe sehen, um sicher zu gehen, daß sie kein Interview für Adolfs Arschgazette oder einem Stasiblatt geben würden. Allerdings kann ich auf solche Gruppen verzichten, wobei ich deren Einstellung zu Interviews akzeptiere. Das Deinem Heft manchmal Interviews verwehrt bleiben, kann ich mir sehr gut vorstellen, denn manchmal sind Deine Ansichten oder Deine Fragen schon recht krass. Aber es braucht ja auch keiner Interviews geben, wenn er nicht will, gelle? Außerdem lerne ich die meisten Gruppen schon vor dem Interview auf Konzerten persönlich kennen, so daß die schon wissen, mit was sie bei mir zu rechnen haben.

D. M.: In der Nr. 3 hattest Du mit Celtic Warrior Dein erstes Interview einer ausländischen Band. Sollen in Zukunft weitere ausländische Bands im ?AMOK!!!? Zine zu Wort kommen, oder konzentrierst Du Dich lieber (wie ich auch) auf einheimische Bands?

AMOK: In der Nr. 4 sind diesmal 2 Interviews mit ausländischen Gruppen (Fortress und Brutal Attack) vorhanden. Es ist schon in Ordnung ausländische Bands zu interviewen, denn die meisten deutschen Bands sind musikalisch recht primitiv, von den Texten mal ganz abgesehen. Da sind ausländische Gruppen eine willkommene Abwechslung im Heft. Ob ich weiter mehr einheimische Bands zu Wort kommen lassen werde, wird sich zeigen. Aber ich denke schon, da man an ausländischen Bands schlechter rankommt.

D. M.: Wie knüpfst Du die notwendigen Kontakte zu diversen Bands?

AMOK: Wie gesagt, meistens lernt man die betreffenden Leute schon auf einem Konzert kennen. Oder man läßt sich von einem Kollegen mal die Telefonnummer geben. Oder ich schicke einfach mal eine aktuelle Ausgabe zu den Leuten und frage an, ob die nicht auch mal ein Interview geben wollen.

D. M.:Nun haben Dir Deine ?Texte für terminale Täter? sehr viel Ärger eingebracht. Ein paar Sätze von Dir zu den Vorfällen der letzten Zeit...

AMOK: In der lokalen Presse wurde ich und mein Fanzine als terroristisch hingestellt und irgendwelche Lügen taten dann noch den Rest: Ich verlor meine Arbeit! Die Initiative ?Gegenwind? von den Jusos wurde gegründet und alle nationalen Leute in Rheine und Umgebung wurden diffamiert. Von einem weiß ich, daß der VS sich um seine Bekanntschaft bemüht hat. Ob der VS noch bei anderen war ist mir unbekannt. Ich wurde übrigens auch von diesen Herren aufgesucht. Damals haben die es aber bei einem Gespräch belassen. Neulich haben die mich an einer roten Ampel abgefangen und wollten sich mal mit mir unterhalten. Es hieß, durch mein Fanzine hätte ich doch gute Kontakte und ob ich nicht für den VS arbeiten würde. Viel Geld sollte es dafür geben. Naja, nach einem freundlichen, aber bestimmten ?Nein!!!? trollten die Herren sich von dannen. Ansonsten hagelte es für mich einige nette Anzeigen, wegen öffentlichem Aufruf zur Gewalt, lächerlich, oder? Mal sehen, was demnächst noch alles passiert...

D. M.: Was mich ehrlich gesagt doch stark verwundert hat, ist Deine Tätigkeit als redaktionelles Mitglied des ?Rock Nord? Magazines. Wie kam es dazu?

AMOK: Da ich schon für die ?MZ? gelegentlich einige Konzertberichte geschrieben hatte, lag es schon auf der Hand, wann ich auch für das ?Rock Nord? schreiben würde.

D. M.: Macht man Dir eigentlich irgendwelche Auflagen, wie Du in ?Rock Nord? sämtliche Produktionen aus dem Hause Funny Sounds zu besprechen hast?

AMOK:Wenn das der Fall wäre, würde ich keine Tonträgerkritiken schreiben, wäre ja dann auch wohl sinnlos. Bei CD's, welche mir nicht zusagen, schreibe ich das auch.

D.M.: Hast Du vielleicht schon die ?Ehre? gehabt, den nonkonformen Thorsten Lemmer persönlich kennengelernt zu haben? Wenn ja, was kannst Du uns über Mr. ?Nonkonform? sagen?

AMOK: Ja, ich kenne Thorsten Lemmer persönlich. Da ich aber nicht zu den Leuten gehöre, die über andere lästern (außer im ?AMOK!!!?), werde ich an dieser Stelle keinen Kommentar zu diesem Thema von mir geben.

D. M.: Abschließend kannst Du noch ein paar Sätze über das ?Doitsche Musik? Zine verlieren...

AMOK: Das ?Doitsche Musik? Zine gefällt mir eigentlich recht gut, nur sind mir einige Aussagen manchmal sehr suspekt. Sehr gut sind z.B. die Rubriken ?Reißwolf? und ?Abrechnung?. Wobei ich den ?Reißwolf? auch gerne in meinem Heft hätte, aber wer zuerst kommt... Zur ?Abrechnung? braucht eigentlich nicht mehr viel gesagt werden, hat bis jetzt, nach meinem Wissen immer den Nagel auf den Kopf getroffen. Einzig Dein Musikgeschmack insbesondere im Zusammenhang mit dem ?Reißwolf? läßt mich manchmal zweifeln. Aber ansonsten gefällt mir das Heft sehr gut.

D. M.: Letzte Worte, Danksagungen ect...?

AMOK: Ich bedanke mich für das Interview, hoffentlich können die Leute mit meinen Antworten etwas anfangen. Grüßen möchte ich an dieser Stelle alle, die mich und das ?AMOK!!!? irgendwie unterstützt haben. Euch gilt mein Dank! Weiterhin gehen Grüße an alle, die mein Fanzine gut finden, hallo Ihr zwei. So, das war's!!!

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